Alice Szpic, geb. Minden

Alice Bertha Szpic [Spitz], geboren 15. November 1906 in Herten, war die Schwester von Egon Minden, der ein Textilgeschäft mit Schneiderwerkstatt in der Wasbeker Straße 10 besaß.
Sie wurde am Nikolaustag, am 6. Dezember 1941, ins Reichsjudenghetto Riga zusammen mit 5 ihrer 6 Kinder deportiert und alle gelten seitdem als verschollen.
Alice war die Frau von Chil Jankiel (Jack) Spitz, ein selbstständiger Schneidermeister, der in Krepice/Polen geboren wurde. Jack Spitz emigrierte unter dem Druck der Gestapo am 18. Mai 1939 nach Frankreich. Alice und die Kinder Egon, Lea, Hans-Georg, Ines und Bernd sollten nachkommen. Doch der Zweite Weltkrieg ließ die Verbindung zu seinen Angehörigen abreißen. Jack Spitz flüchtete von Paris weiter nach Algerien. Nach Kriegsende erfuhr er, dass alle seine Familienangehörigen bis auf die zwei Jahre alte Tochter Lea, die mit einem Kindertransport in England in Sicherheit gebracht werden konnte, Opfer der Shoa geworden waren und nur Lea überlebt hatte. Lea Goffe lebt heute in Norfolk in England. Jack Spitz kehrte 1962 nach Frankreich zurück und starb am 21. April 1967 in Toulouse. Der Sohn aus zweiter Ehe von Jack Spitz, Sammy Szpic, lebt heute noch in der Nähe von Toulouse.

 


Vor dem Haus Kieler Straße 21 erinnern heutzutage 5 Stolpersteine an die Ermordung der Familie Spitz in Riga. Es fehlt dabei sogar noch ein Stolperstein, und zwar für den 4 Monate alten Denny Spitz, der am 12. August 1941 in Hamburg geboren wurde. Im Haus Kieler Straße 21 lebte auch noch ein Herr David Ziegelmann (geboren 10.05.1883 in Katowice/Polen), der ebenfalls rassisch verfolgt wurde. Ob er mit der Familie verwandt war, ist nicht bekannt. Herr Ziegelmann war 1938 im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Segeberg, der auch Jack Spitz angehörte. Er tauchte in Neumünster unter und hat überlebt.


Der Kommandant des Rigaer Ghettos war 1941 Kurt Krause, wo er nur als „der Menschenfresser“ genannt wurde. Krause hatte in Riga eine besonders perfide Art des Mordens entwickelt: Bis Ende Februar 1942 wurden 25.000 Menschen zur Ermordung nach Riga deportiert. Deswegen wollten die Einsatzgruppen und die SS die Lager so schnell wie möglich für weitere Opfer räumen. Noch während der Kälteperiode begann also am 26. März 1942 eine zweite Welle der Liquidationen. Krause ließ über das Verwaltungsbüro von Jungfernhof sowie in allen anderen Lagern rund um Riga verbreiten, dass geschwächte und ältere Menschen sich für leichte Arbeiten in einer frei erfundenen Konservenfabrik Dünamündes (das heutige Daugavgriva) melden sollten, Kranke kämen ins Rigaer Ghetto. Etwas 5.000 Personen – meist Frauen und Männer über 50 Jahre – meldeten sich, wurden im Halbstunden-Rhythmus auf LKWs geladen und im nahen Wald von Bikernieki erschossen. Spätestens dieser Mordaktion fiel vermutlich auch Alice Spitz zum Opfer.

 

 

Quellen:
- Heide Winkler, Projektleiterin "Neumünsteraner Frauenbiografien", Gleichstellungsstelle der Stadt Neumünster
- https://app.neumuenster.de/session/bi/getfile.php?id=72144&type=do&, zuletzt abgerufen am 24.02.2021