Tonhalle

In der Tonhalle (bei Fallada auch bekannt unter dem Namen "Zum Tucher") - Großflecken 51, heute Marktpassage Neumünster - fanden vor und während der NS-Zeit diverse Propaganda-Veranstaltungen statt:

 

Am 8.11.31 findet ein "Deutscher Abend" in der Tonhalle statt. Am Tag hatten sich rund 1200 SA-Leute aus ganz Schleswig-Holstein in Neumünster versammelt und marschierten durch die Stadt. Die Abschlusskundgebung wurde von der Polizei unterbunden.

 

Am 17.6.32 hielt dort "Reichsredner" Eugen Hadamovsky die Rede "Skandal im Rundfunk", unterstützt vom stellvertretenden Reichssendeleiter und Leiter des „Politischen Übertragungsdienstes“ Carl Heinz Boese. Hadamovsky trat 1930 in die NSDAP ein. Wenig später wurde der NS-Propagandachef Joseph Goebbels auf ihn aufmerksam und gab Hadamovsky im Jahr 1931 den Auftrag, einen Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer aufzubauen. Ein Jahr später stieg er zum Abteilungsleiter in der Reichspropagandaleitung der NSDAP auf. Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, während der zahlreichen Wahlkämpfe in den frühen 1930er Jahren die Wahlreden Adolf Hitlers vom Rundfunk übertragen zu lassen.

Am 20.4.33 wurde der Geburtstag Adolf Hitlers im "Braunen Saal" gefeiert.

 

Am 9.7.33 wurde der Sohn des HJ-Gebietsführers Ludwig genannt "Lühr" Oldigs unter Anwesenheit von Baldur von Schirach getauft. Oldigs (geb. 14.2.1907 in Wesselburen) war Direktor der Dithmarscher Heimvolksschule in Lunden und hatte die NSDAP- Mitgliedsnummer 68614. Schon 1933 verdarb er die Jugend mit seinem nationalsozialistischen Buch "Braune Nordmark-Jugend". 1943 verfasste Oldigs einen Schulungsartikel der NSDAP in der Litzmannstädter Zeitung. Oldigs starb am 11.7.1987.

 

Am 6.9.33 findet eine nationalsozialistische "Saarkundgebung" in der Tonhalle statt. Auf Saarkundgebungen skizzierten Nationalsozialisten die Aufbaupläne nach der Rückkehr des Saargebiets in das Deutsche Reich.