Lieselotte Juckel

Die Geschichte der öffentlichen Person Lieselotte Juckel ist vielschichtig.

 

 

Sie ist im Rahmen der Ausstellung "Frauen in der Geschichte Neumünsters", die 2014 in Neumünster gezeigt wurde, ausführlich geehrt worden. Die Ausstellung ließ sechs Frauen und ihre engagierten, ungewöhnlichen und kämpferischen Lebensgeschichten sichtbar werden. Sie sind mit ihrem Einfluss und ihrer Schaffenskraft ein Teil unserer Stadtgeschichte. 2021 hat die Gleichstellungsstelle der Stadt Neumünster das Projekt wiederbelebt und insgesamt 14 Frauen aus Neumünster im Rahmen einer Ausstellung und Dokumentation gewürdigt, darunter auch Lieselotte Juckel.

 

 

Lieselotte Juckel wurde geehrt, weil sie:

 

• Gründungsmitglied der CDU Neumünster und Ratsfrau war


• Vergünstigte Hypotheken an Flüchtlinge und kinderreiche Familien vermittelte

 

• Gründerin des Frauenrates Neumünster war

 

• Trägerin des Bundesverdienstkreuzes war

 

• Ehrenbürgerin von Ragnit/Ostpreußen war

 

 

Lieselotte Juckel wurde am 7.9.1919 in Ragnit (Ostpreußen) geboren und war dort Verwaltungsangestellte im Verwaltungsdienst. Heute heißt die Kleinstadt Neman und gehört zur russischen Oblast Kaliningrad.

 

 

Frau Juckel stellte am 9.11.1946 einen handschriftlichen Antrag auf Entnazifizierung. Im Fragebogen, den sie für die Militärregierung in Deutschland ausfüllt, macht sie Angaben, dass ihr Mann SS-Oberscharführer und z.Zt. in Eselsheide bei Paderborn sei. Auf die Frage nach Orden, Zeugnissen, Dienstgraden, schrieb sie u.a. "Ja, Anlass Verleihung Dienstgrad Scharf.". Als Zeugen bringt sie eine Frau Mertineit aus Tilsit und den Polizei-Inspektor August Kühnapfel, Ragnit, bei. Als Beruf gibt sie selber "Berichterstatterin Memelwacht Tilsit" an (Monatslohn 2500 RM).

 

 

Sie macht weiterhin folgende Angaben:

 

• BDM 1934-1942, Scharführerin. In einem Lebenslauf führt sie auf, dass sie bestätigte Mädelgruppenführerin war und zuletzt eine Gruppe und einen Mädelring führte. Außerdem hätte sie als Kulturstellenarbeiterin im Untergau 270 gearbeitet.  Aus dem Lebenslauf geht hervor, dass sie auch als Pressestellenarbeiterin im Untergau gearbeitet hat.

 

• NS-Reichsbund für Leibesübungen 1938-1940

 

• DAF 1936-1940

 

• DRK 1937-1940

 

• KDF 1936-1940

 

In der Auflistung für den Entnazifizierungsausschuss fehlt ihre Mitgliedschaft in der NSDAP, die sie allerdings in einem Lebenslauf so angab:

 

"Im März 1938 wurde ich von der Hitlerjugend in die Partei überwiesen. Die Papiere sind verloren gegangen. Einen neuen Antrag habe ich 1940 gestellt."

 

 

Auf den Antrag zur Entnazifizierung erhält sie eine Verfügung des Entnazifizierungsausschusses Kreis Neumünster vom 5.12.1946. Dort ist zu lesen:

 

•    Einstufung als "für das beantragte Gewerbe als Lehrerin nicht geeignet",

 

•    …da Scharführerin im BDM und außerdem Berichterstatterin der "Memelwacht"

 

•    "Es kann also kein Zweifel darüber bestehen, dass sie aktiv für den Nationalsozialismus tätig gewesen ist."

 

 

Frau Juckel, die am 15.3.1942 in Lauenburg/Pommern als Lehrerin ausgebildet wurde, wird am 1.3.1947 aufgrund der Einstufung des Entnazifizierungsausschusses aus dem Schuldienst entlassen. Zwei Aktenbelege vom 1.3.1947 auf Englisch belegen ihre Entlassung aus dem Dienst:


•    …was dismissed from offices with effect.

•    …no card, excluded from offices with effect

 

Der Bescheid der Landesregierung Schleswig-Holstein, Minister für Volksbildung, Abteilung Volksschulen und Mittelschulen vom 4.3.1947 lautete so:


Entlassung aus der Stellung als Lehrerin wegen
Mitgliedschaft BDM    1934 - 1942
Mitgliedschaft DAF    1936 - 1940
Mitgliedschaft KDF    1936 - 1940

 

Ihr Anwalt Hinze aus Bordesholm legte daraufhin am 12.5.1947 Revision ein.

 

 

Am 22.6.1948 kommt der Amnestie-Bescheid. Der öffentliche Kläger beim Hauptausschuss und Entnazifizierungsamt trifft die Verordnung:


"Frau Juckel, geb. 07. 09. 1919, fällt unter die sogenannte Amnestie und ist in Gruppe V gem. § 14 einzustufen."

 

 

Quellen:
- https://www.frauenhaus-neumuenster.de/inhalt/wp-content/uploads/IFT14-Plakat-Rauthaus-Ausstellung-A3.pdf; zuletzt abgerufen am 07.06.2020
- www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/bedeutende-frauen-im-mittelpunkt-id5761176.html; zuletzt abgerufen am 07.06.2020
- Entnazifizierungsakte Lieselotte Juckel, Abt. 460.21 Nr. 435, Landesarchiv Schleswig-Holstein
- BArch R 9361-III/88415
- Ausführliche Biografie Lieselotte Juckel: https://www.neumuenster.de/verwaltung-politik/verwaltung/gleichstellungsstelle/frauen-in-neumuenster/juckel-lieselotte
; zuletzt abgerufen am 03.11.2022
- Zeitungsartikel "Wer waren die starken Frauen in Neumünster?" im Holsteinischen Courier vom 02.09.2021: https://www.shz.de/lokales/neumuenster/artikel/wer-waren-die-starken-frauen-in-neumuenster-20980739; zuletzt abgerufen am
03.11.2022