Rose Preminger

Rosa Preminger wurde am 28.01.1896 in Kolomea geboren. Diese Stadt, heute rd. 60.000 Einwohner, liegt im Westen der heutigen Ukraine am Pruth, ca. 200 km südöstlich von Lemberg und nördlich der Bukowina.


Seit dem 16. Jh.  lebten in Kolomea Juden; der Ort  hatte als jüdisches Zentrum um die Jahrhundertwende einen jüdischen Bevölkerungsanteil von knapp 50 %. Von 1939 bis zum Holocaust  lebten dort noch ca. 15.000 Juden; sie wurden im Vernichtungslager Belzec umgebracht.


Rosa Preminger ist am 05. September 1932 aus Berlin nach Neumünster zugezogen. Wann genau sie ihre Heimatstadt Kolomea verließ, ist unklar, auf jeden Fall war sie jedoch bis dahin von jüdischem Leben umgeben gewesen. Da es in Neumünster keine jüdische Gemeinde gab, wurde sie Mitglied der Segeberger Gemeinde.


Nach den Meldeunterlagen verzog Frau Preminger am 04. November 1939 wieder zurück nach Berlin.  
Über die Gründe kann man nur spekulieren. Es mag private, persönliche Gründe gegeben haben, fest steht aber, dass die Situation insbesondere für Ostjuden um diese Zeit hochgefährlich war. Polnische Juden waren seit Oktober 1938 mit Zwangsausweisungen bedroht, möglich, dass sich Frau Preminger auf Grund der wachsenden Judenfeindlichkeit im täglichen Umfeld (insbesondere nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938) in der Großstadt sicherer zu fühlen glaubte.

Es ist nicht ganz klar, welche Staatsangehörigkeit Frau Preminger tatsächlich hatte; als sie geboren wurde, gehörte ihre Heimatregion zur Donaumonarchie und innerhalb dieser zum ungarischen Herrschaftsbereich. Nach dem 1. WK gehörte die Region kurze Zeit zur Ukraine und dann bis zum 2. WK zu Polen.

Bisher ging man davon aus, dass Rosa Preminger nach Lublin deportiert wurde und dort ums Leben kam.

 

Die aktuelle Nachforschung hat Folgendes ergeben:

 

Da Frau Preminger von Neumünster nach Berlin zurückging, wurde bei der Koordinierungsstelle Stolpersteine in Berlin nachgefragt, ob etwas über sie bekannt ist. Von dort wurde ein Hinweis gegeben auf die Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, Koblenz. Hierbei handelte es sich um die „Jacoby´sche Heil- und Pflegeanstalt“, eine auf eine private Gründung im Jahre 1869 zurückgehende Einrichtung für jüdische „Nerven- und Gemütskranke“.
 
Aus dieser Einrichtung sind am 15. Juni 1942 331 Menschen deportiert worden. Es handelte sich um 271 Patienten, 10 Menschen aus dem Altersheim und 50 Angestellte mit ihren Angehörigen. Sie alle gehörten zu einem Transport von insgesamt 1003 Menschen aus den Bereichen Koblenz, Aachen, Köln und Düsseldorf, der nach „Unbekannt“ zusammengestellt worden war.
In der Deportationsliste dieses Transports ist Rosa Preminger unter der lfd. Nr. 215 aufgeführt; in Bezug auf ihre Staatsangehörigkeit ist „staatenlos, früher Polen“ eingetragen. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs findet sich der Hinweis, dass der Transport nach Sobibor ging und dort am 19. Juni 1942 eintraf. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, müssen wir davon ausgehen, dass Rosa Preminger dort im Juni 1942 in einer der Gaskammern durch Motorgase umgebracht wurde. 


Heide Winkler
November 2017

 

Quellen:
-    statistik-des-holocaust.de (Deportationsliste vom 15. 06. 1942)
-    www.bundesarchiv.de/gedenkbuch; Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden …/hier Chronologie der Deportationen 
-    Auskunft Koordinierungsstelle Stolpersteine, Berlin, vom 06. 11. 2017
-    Wikipedia: Jacoby´sche Heil- und Pflegeanstalt
-    Erste Recherchen zu Rosa Preminger vom Kulturbüro Stadt Neumünster 2007